Ein klassischer Hefekuchen mit frischem Obst: Die Zwetschgen bringen Ballaststoffe und Fruchtsüße mit, Butter und Streusel machen ihn zum bewussten Genuss fürs Wochenende.
Lockerer Hefeteig, dicht an dicht gefächerte Zwetschgen und knusprige Zimt-Streusel: Der Zwetschgendatschi ist Bayerns berühmtester Blechkuchen der Spätsommer-Saison.
Wenn der Spätsommer nach Hefeteig duftet
Sobald ab August die ersten Zwetschgen auf dem Markt liegen, beginnt in Süddeutschland die Datschi-Zeit. Der Blechkuchen aus dünnem Hefeteig und dicht gefächerten Zwetschgen ist in Bayern eine Institution — in Augsburg so sehr, dass sich die Stadt selbstbewusst „Datschiburg“ nennt. Unsere Version bekommt zusätzlich knusprige Zimt-Streusel, die die fruchtige Säure der Zwetschgen perfekt ausbalancieren.
Warum du dieses Rezept lieben wirst
- Dünner Hefeteig, viel Frucht – das echte Datschi-Verhältnis
- Zimt-Streusel fangen den Saft auf und bleiben knusprig
- Ein Blech reicht für die ganze Kaffeetafel – ideal zum Vorbereiten
Allergene
Bei der Mandel-Variante der Streusel kommen Schalenfrüchte hinzu.
Küchengeräte
Zutaten
Für den Hefeteig
- 300 g Weizenmehl (Type 550)
- 150 ml lauwarme Milch
- 20 g frische Hefe (½ Würfel)
- 50 g Zucker
- 50 g weiche Butter
- 1 Ei (Größe M)
- 1 Prise Salz
Belag & Streusel
- 1,2 kg reife Zwetschgen
- 2 EL Semmelbrösel (für den Boden)
- 150 g Weizenmehl
- 100 g kalte Butter (in Stückchen)
- 80 g Zucker
- 1 Pck. Vanillezucker
- 1 TL Zimt
Zubereitung
Hefe mit einer Prise Zucker in der lauwarmen Milch auflösen. Mit Mehl, restlichem Zucker, Butter, Ei und Salz 5–8 Minuten zu einem geschmeidigen Teig kneten. Zugedeckt an einem warmen Ort ca. 60 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.
Zwetschgen waschen, halbieren und entsteinen. Jede Hälfte vom Stielansatz her längs einschneiden, ohne sie ganz zu teilen — so lassen sie sich fächerartig aufklappen und stehen dicht an dicht.
Den Teig auf dem Blech dünn ausrollen und mit Semmelbröseln bestreuen. Die Zwetschgen mit der Schnittfläche nach oben dachziegelartig einsetzen. Mehl, kalte Butter, Zucker, Vanillezucker und Zimt zu Streuseln verreiben und darüberstreuen.
Im vorgeheizten Ofen bei 180 °C Ober-/Unterhitze 30–35 Minuten backen, bis die Streusel goldbraun sind. Auf dem Blech abkühlen lassen — lauwarm mit Schlagsahne schmeckt der Datschi am besten.
| Nährstoff | Pro Portion |
|---|---|
| Energie | 285 kcal |
| Fett | 11 g |
| ↳ davon gesättigte Fettsäuren | 6,5 g |
| Kohlenhydrate | 42 g |
| ↳ davon Zucker | 22 g |
| Ballaststoffe | 2,5 g |
| Eiweiß | 5,0 g |
| Salz | 0,2 g |
Tipps und Variationen
- Die richtige Zwetschge: Echte Zwetschgen (länglich, festes Fruchtfleisch) sind Pflicht — runde Pflaumen enthalten mehr Wasser und weichen den Boden auf. Hauszwetschgen ab Ende August haben das beste Aroma.
- Semmelbrösel-Trick: Eine dünne Schicht Brösel zwischen Teig und Frucht saugt den austretenden Saft auf — der Boden bleibt trotz saftiger Früchte durchgebacken.
- Fächern statt legen: Die eingeschnittenen Zwetschgenhälften stehen aufrecht dicht an dicht — so passt maximal viel Frucht aufs Blech, das typische Datschi-Verhältnis.
- Lauwarm servieren: Frisch aus dem Ofen mit leicht gezuckerter Schlagsahne ist der Datschi am besten. Am zweiten Tag kurz bei 150 °C aufbacken.
- Zimt weglassen? In Altbayern wird der Datschi traditionell erst nach dem Backen mit Zimtzucker bestreut — wer es klassisch mag, lässt den Zimt aus den Streuseln und zuckert nachträglich.
Aufbewahrung
Bei Zimmertemperatur: Mit einem Tuch abgedeckt hält sich der Datschi 1–2 Tage — die Streusel bleiben so am knusprigsten.
Im Kühlschrank: Gut verpackt 3–4 Tage haltbar. Vor dem Servieren auf Zimmertemperatur bringen oder 10 Minuten bei 150 °C aufbacken.
Einfrieren: In Stücke geschnitten und gut verpackt bis zu 3 Monate. Bei Zimmertemperatur auftauen und kurz aufbacken — fast wie frisch.
Warum Augsburg „Datschiburg“ heißt
Der Zwetschgendatschi gehört zu Bayern wie die Brezn — und nirgends so sehr wie nach Augsburg. Die Stadt trägt seit dem 19. Jahrhundert den liebevollen Spitznamen „Datschiburg“, weil der dünne Hefekuchen mit den dicht gefächerten Zwetschgen hier als Erfindung der örtlichen Bäcker gilt. Das Wort „datschen“ beschreibt das Eindrücken der Früchte in den Teig.
Traditionell war der Datschi ein Saisongericht der Erntezeit: Wenn ab August die Zwetschgenbäume voll hingen, wurde blechweise gebacken — dünner Teig, viel Frucht, wenig Zucker. Genau dieses Verhältnis unterscheidet ihn bis heute von gewöhnlichem Obstkuchen: Der Teig ist nur das Fundament, die Hauptrolle spielt die Frucht.
Alles über die kurze, intensive Saison der blauen Früchte — von der Sortenwahl bis zum Einfrieren — liest du in unserem Ratgeber Zwetschgenzeit in Deutschland.
„Beim Datschi entscheidet das Verhältnis: viel Frucht, wenig Teig. Die Zwetschgenhälften werden eingeschnitten, aufgefächert und aufrecht dicht an dicht gesetzt — liegen sie flach, ist es kein Datschi, sondern nur ein Zwetschgenkuchen.“
Rezepte Kosmos Redaktion · Bayerische BackstubeWarum Zwetschgen beim Backen nicht zerlaufen
Zwetschgen haben gegenüber runden Pflaumen einen entscheidenden Vorteil: Ihr Fruchtfleisch enthält weniger Wasser und mehr Pektin, das beim Erhitzen geliert statt zu verflüssigen. Deshalb behalten die Fruchthälften im Ofen ihre Form und geben nur so viel Saft ab, wie die Semmelbrösel-Schicht aufnehmen kann. Rundpflaumen dagegen kollabieren bei 180 °C zu Mus und durchnässen den Hefeteig. Auch die Säure spielt mit: Die kräftige Fruchtsäure der Zwetschge karamellisiert mit dem Streuselzucker zu der typischen, leicht herben Datschi-Note.
Die 4 häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest
Der Boden ist matschig
Der Fruchtsaft ist beim Backen in den Teig gezogen – klassischstes Datschi-Problem.
Lösung: Vor dem Belegen 2 EL Semmelbrösel oder gemahlene Mandeln auf den Teig streuen – sie saugen den Saft auf.Der Hefeteig geht nicht auf
Milch zu heiß (Hefe stirbt ab 45 °C) oder Teig zu kalt gestellt.
Lösung: Milch nur lauwarm (ca. 35 °C) verwenden und den Teig zugedeckt an einen warmen, zugfreien Ort stellen.Zu wenig Frucht, zu viel Teig
Die Zwetschgen wurden flach aufgelegt statt aufrecht gefächert.
Lösung: Hälften einschneiden, aufklappen und dicht an dicht senkrecht in den Teig setzen – pro Blech gehören gut 1,2 kg Frucht darauf.Die Streusel verlaufen
Butter zu warm oder zu fein verrieben – statt Streuseln entsteht eine Mürbeteigdecke.
Lösung: Kalte Butter nur grob mit Mehl und Zucker verkneten und die Streusel bis zum Backen kalt stellen.Was am besten dazu passt
Klassiker
Kaffee · Schlagsahne
Zur Kaffeetafel mit einem Klecks leicht gezuckerter Schlagsahne – die klassische bayerische Kombination am Sonntagnachmittag.
Lauwarm
Vanilleeis · Vanillesoße
Noch ofenwarm mit Vanilleeis oder kalter Vanillesoße – der Temperaturkontrast macht das Stück zum Dessert.
Brotzeit-Art
Kalte Milch · Café au Lait
In Altbayern wird der Datschi auch schlicht zu einem Glas kalter Milch gegessen – probier es aus.
Drei moderne Variationen
Der Streusel-Datschi ist eine von vielen Spielarten – jede Familie backt ihn anders.
Ohne Streusel
Das Augsburger Original: nur Hefeteig und Zwetschgen, nach dem Backen mit Zimtzucker bestreut. Puristisch und besonders fruchtig.
Fränkische Art
Statt Hefeteig ein knuspriger Mürbeteigboden – etwas reichhaltiger, dafür ohne Gehzeit deutlich schneller gemacht.
Mandel-Streusel
Gehobelte oder gemahlene Mandeln in die Streusel geben – feines Marzipanaroma, das wunderbar zur Zwetschge passt.
Spätsommer-Saison
Die Datschi-Zeit ist kurz: Von August bis Oktober haben heimische Zwetschgen Saison — Hauszwetschgen ab Ende August gelten als die aromatischsten. Danach heißt es warten bis zum nächsten Jahr, denn mit Importware wird der Datschi nie so gut.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Zwetschgendatschi und Zwetschgenkuchen?
Das Verhältnis und die Technik: Beim Datschi wird ein sehr dünner Hefeteig mit maximal viel Frucht belegt — die eingeschnittenen Zwetschgenhälften werden aufrecht dicht an dicht in den Teig „gedatscht“ (eingedrückt), daher der Name. Ein gewöhnlicher Zwetschgenkuchen hat dickeren Boden und flach aufgelegte Früchte. Streusel sind beim Datschi optional — das Augsburger Original kommt ohne aus.
Kann ich Pflaumen statt Zwetschgen verwenden?
Möglich, aber mit Abstrichen: Rundpflaumen enthalten deutlich mehr Wasser und weniger Pektin, zerfallen beim Backen zu Mus und weichen den Boden auf. Wenn es nur Pflaumen gibt, unbedingt eine dickere Schicht Semmelbrösel auf den Teig streuen und die Früchte gut abtropfen lassen. Für das echte Datschi-Ergebnis führt an festen, länglichen Zwetschgen kein Weg vorbei.
Wie verhindere ich einen matschigen Boden?
Drei Stellschrauben: Erstens eine dünne Schicht Semmelbrösel oder gemahlene Mandeln zwischen Teig und Frucht — sie bindet den austretenden Saft. Zweitens echte Zwetschgen statt wässriger Pflaumen verwenden. Drittens den Kuchen im unteren Ofendrittel backen, damit der Boden genug Unterhitze bekommt und durchbäckt, bevor die Frucht ihn durchfeuchten kann.
Kann man Zwetschgendatschi einfrieren?
Ja, überraschend gut. Den abgekühlten Kuchen in Stücke schneiden, gut verpacken und bis zu 3 Monate einfrieren. Bei Zimmertemperatur auftauen und 10 Minuten bei 150 °C aufbacken — die Streusel werden wieder knusprig. So lässt sich die kurze Zwetschgensaison bis in den Winter verlängern. Alternativ rohe, entsteinte Zwetschgen einfrieren und später frisch backen.
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